Historisches

Der historische Florian Geyer

Zeichnung Florian Geyer

Florian Geyer wurde 1490 in Giebelstadt geboren. Er stammt aus einem Adelsgeschlecht, das seit dem 13. Jahrhundert in diesem Ort ansässig war. Sein Vater war Dietrich Geyer, seine Mutter Anna von Seckendorf, Tochter des Sebastian von Seckendorf, Amtmann in Neustadt an der Aisch.

Sein Vater verstarb bereits 1492 und so übernahmen seine Vormunde Eberhard Geyer von Giebelstadt, sowie Christoph von Seckendorf seine Erziehung. Beide standen in den Diensten des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Aus seiner späteren Aufgabe kann man erschließen, dass sich seine Ausbildung nicht nur auf das Erlernen der Waffenkunst erstreckte, sondern auch auf Lesen und Schreiben und insbesondere auf die Kunst der Diplomatie. Unter seinen Zeitgenossen galt Florian Geyer daher „als militärischer Führer (....) [,] gewandter politischer Unterhändler und sehr geschickter Redner“ [1]. Aufgrund des ebenfalls frühen Todes seiner Brüder Balthasar (vor 1496) und Wilhelm Geyer (1512) erbte er einen stattlichen Besitz. Darunter befanden sich „die Hälfte vom Schloß Giebelstadt mit den dazugehörigen Einkünften zu Winterhausen und Sulzdorf“[2]. Des Weiteren besaß er Besitzungen, die in ganz Unterfranken verteilt waren.

Florian Geyer war allerdings nicht bereit, sein Leben als sesshafter Landedelmann zu führen. Dies zeigt sich daran, dass er Teile seiner Güter verkaufte. Stattdessen zog es ihn in die Ferne, denn er soll sich im Jahre 1513 auf einer Reise an den englischen Hof befunden haben, der zu dieser Zeit von dem jungen König Heinrich VIII. regiert wurde. Ob Geyer tatsächlich in England war, ist umstritten, da Heinrich VIII. sich zu dieser Zeit in Frankreich aufhielt, wo er, mit Kaiser Maximilian verbündet, Krieg gegen die Franzosen führte. Wahrscheinlicher ist, dass Geyer wie viele andere deutsche Ritter an diesem Krieg teilnahm, der im August 1513 „in der sogenannten Sporenschlacht bei Guinegate“[3] zugunsten des englischen Königs entschieden wurde.

Nach seiner Rückkehr kommt es zwei Jahre später zu einem Streit zwischen Florian Geyer und dem Würzburger Stift Neumünster, der auf einer Forderung des Stifts aus dem Jahr 1160 basiert. Sie verpflichtete die Geyers dazu „eine bestimmte Getreidegült und Zins zu entrichten“[4], da diese mit Giebelstädter Gütern belehnt worden waren. Das Adelsgeschlecht kam jedoch dieser Forderung nicht nach und eine Klage des Stifts hatte ebenfalls keinen Erfolg. Darauf verhängte die Kirche über Geyer die Exkommunikation. Diese kirchliche Verbannung war für ihn aber ohne jede politische oder wirtschaftliche Wirkung und veranlasste ihn wohl auch nicht zu einer innerlichen Distanzierung von der Kirche.

In den darauffolgenden Jahren stand der „tüchtige Kriegsmann“[5] unter anderem in den Diensten des Markgrafen Kasimir von Brandenburg-Ansbach und später auch bei dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Preußen.

Als der in Schwaben entstandene Bauernaufstand 1525 auch nach Franken übersprang, stellte sich Geyer auf die Seite der aufständischen Bauern und wurde ihr Wortführer. Zeugnis hierfür ist ein Brief vom 18. April 1525 des Grafen Georg II . von Wertheim, in dem er schreibt, dass ihm aus glaubwürdiger Seite mitgeteilt worden ist, dass „bey der versammlung ytzt an der Tauber gelegen zu oberstem hauptmann angenommen sei“[6]

Bei militärischen Auseinandersetzungen war Geyer nicht an vorderster Front zu finden, da sich seine Aufgaben auf diplomatische Tätigkeiten beschränkten. Durch seine Vermittlung gelang es, sowohl Tauberbischofsheim und die restlichen neun Städte im Mainzer Stift für ihre Sache zu gewinnen, als auch die Würzburger Gemeinde und den Stadtrat von Rothenburg dazu zu bewegen, sich dem Aufstand anzuschließen und ihn zu unterstützen. Nach zwei verheerenden Niederlagen der Bauern am 2. Juni an der Tauber und am 4. Juni bei Ingolstadt gegen Truppen des Schwäbischen Bundes war der Aufstand zerschlagen. Bauernführer Geyer wurde beim anschließenden Versuch sich gen Norden in Sicherheit zu bringen, am „9. Juni 1525 im Gramschatzer Wald in der Nähe des Schlosses Rimpar von den Knechten Wilhelms von Grumbach erstochen und beraubt“[7].

Ob Florian Geyer mit Elisabeth von Grumbach verheiratet war, wie es in Nikolaus Fey`s Theaterstück gezeigt wird, ist aus zuverlässigen Quellen nicht zu erschließen.

Autor: Frank Osadca

[1] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S. 2
[2] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S. 2
[3] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S.3
[4] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S.3
[5] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S.8
[6] H. Barge: Florian Geyer - Eine biographische Studie, S. 17
[7] W. Benkert: Der historische Florian Geyer, S. 28